Sichtbare Ozonschäden bei Gemüsepflanzen

Bodennahes (=troposphärisches) Ozon ist in Mitteleuropa inzwischen zum wohl bedeutendsten Schadgas in der Atmosphäre geworden. Erhöhte Konzentrationen, wie sie im Frühjahr und Sommer fast alljährlich auftreten, können an empfindlichen Pflanzen sichtbare und — als verminderter Ernteertrag — auch messbare Schäden erzeugen. 


Bei Kopfsalat (Lactuca sativa L., obere Reihe: unbelastete Kontrolle) zeigen sich nach chronischer Ozonbelastung (untere Reihe) Blattchlorosen und braune Nekrosen an den mittleren und älteren Blättern.


Radieschen (Raphanus sativus L.) zählt zu den ozonempfindlichsten Gemüsepflanzen. Die markanten Nekrosen, die nach einer akuten Ozonbelastung auftreten können, sind sowohl auf der Blattoberseite wie auch auf der Blattunterseite sichtbar.



Nach eine akuten Belastung mit relativ hohen, jedoch durchaus realistischen Ozonkonzentrationen zeigen die mittleren und älteren Blätter von Spinat (Spinacia oleracea L.) ausgedehnte, helle Nekrosen.
Diese treten, typisch für Ozonschäden, stets zwischen den Blattadern auf.


Bei der Zwiebel (Allium cepa L.) treten nach chronischer Ozonbelastung zahlreiche kleine, punktförmige Nekrosen auf (links). Nach einer akuten Belastung durch Ozon finden sind an den mittleren und älteren Blättern oft ausgedehnte, helle Nekrosen.


Bei mittelalten Blättern der Möhre (Daucus carota L.) sind nach chronischer Ozonbelastung die Felder zwischen den Blattadern (=Interkostalfelder) chlorotisch aufgehellt.


Bei einer 2001 durchgeführten Untersuchung zeigte die Mehrzahl von 12 untersuchten Gemüsearten deutlich sichtbare Ozonschäden. Nach 2- bis 3-wöchiger (=chronischer) Begasung mit, für Süddeutschland typischen Ozonkonzentrationen (ca. 135 µg/m3, 8 Stunden/Tag) zeigten sich Aufhellung und Gelbfärbung der Blätter (=Chlorosen) und häufig auch kleine, abgestorbene Gewebebereiche (=Nekrosen). Nach Simulation einer akuten, 4- bis 6-tägigen Ozonepisode mit relativ hohen, aber stets realistischen Konzentrationen (ca. 250 µg/m3, 4 Stunden/Tag) waren die Blattschädigungen (Nekrosen) z.T. massiv.

Für die Marktfähigkeit von Feldgemüse spielt die "äußere Qualität", also das optische Erscheinungsbild, eine wichtige Rolle. Dieses Qualitätsmerkmal kann merklich beeinträchtigt werden durch sichtbare Blattschädigungen, die aufgrund von bodennahem Ozon entstehen, wie es fast jeden Sommer in Mitteleuropa auftritt.

Für den Gemüsebauern ist es wichtig zu wissen, dass derartige Schäden nicht durch gängige Pflanzenschutzmaßnahmen zu verhindern sind. Stehen Perioden mit hohen Ozonbelastungen während einer kritischen Wachstumsphase unmittelbar bevor, kann es dagegen ratsam sein, auf eine zusätzliche Bewässerung kurzfristig zu verzichten. Denn bei knapper Wasserversorgung schließen die Pflanzen die Spaltöffnungen der Blätter, durch die mit dem lebensnotwendigen Kohlendioxid auch Schadstoffe wie Ozon aufgenommen werden. Geringere Ozonaufnahme bedeutet aber: weniger ozonbedingte Blattschädigungen. Durch gezielte Kulturmaßnahmen lassen sich Ozonschädigungen an Gemüsepflanzen also wenigstens zeitweise vermeiden.

Diese Untersuchungen wurden im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz (Mainz), gemeinsam mit der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Agrarökologie (Braunschweig) durchgeführt.


Typisch für Blattschäden nach chronischer Ozonbelastung sind bei Zucchini (Cucurbita pepo L.) eine chlorotische Aufhellung der Blätter (oben rechts) und zahlreiche kleine, über das ganze Blatt verteilte Nekrosen (unten rechts). Zum Vergleich sind jeweils links Blätter von unbelasteten Pflanzen abgebildet.