Ökotoxikologische Bewertungen

Für eine begrenzte Anzahl von Schadstoffen existieren Grenzwerte bzw. Richt- oder Orientierungswerte zum Schutz von Mensch und Umwelt.

Sie dienen als Maßstab, um vorhandene Belastungen der Umwelt, z.B. von Luft, Wasser, Boden oder Nahrungsmitteln, bewerten zu können. Hieraus können mögliche gesundheitliche Risiken ermittelt und ggf. Empfehlungen für Maßnahmen abgeleitet werden.

Für die Mehrzahl der Substanzen, die in der Umwelt mögliche Gefährdungen darstellen, liegen derartige Grenz- oder Richtwerte nicht oder nicht in ausreichendem Umfang vor. Kombinationswirkungen durch das Einwirken mehrerer Stoffe werden durch die gängigen Grenz- und Richtwerte in aller Regel ohnehin nicht berücksichtigt.

Eine Abschätzung möglicher Gefährdungen des Menschen und seiner Umwelt kann jedoch häufig auf der Grundlage des vorhandenen Fachwissens getroffen werden. Dieses internationale Fachwissen aus den meist weit verstreuten Quellen zusammenzutragen, auszuwerten und darzustellen, ist die Aufgabe von wissenschaftlichen Recherchen und - in weiteren Auswerte- und Bewertungsschritten - von Expositions- und Risikoabschätzungen.

Laufend aktualisierte on-line Datenbanken sowie umfangreiche Präsenzdatenbanken erlauben eine rasche Sichtung und Beschaffung der wichtigen Datenquellen. So können kritische und aktuelle Informationen über die toxischen und ökotoxischen Eigenschaften auch von wenig dokumentierten Schadstoffen bereitgestellt und für Bewertungen genutzt werden.


Beispiel: Darstellung zur Bewertung von Luftverunreinigungen
In Expositionsabschätzungen wird die Aufnahme und der Verbleib einer Schadstoffbelastung in einem Organismus abgeschätzt. Sowohl die Schadstoffgehalte der verschiedenen Umweltmedien als auch das Verhalten (Nahrungsaufnahme, Aufenthalt in Innenräumen und im Freien, usw.) sind wesentliche Einflussfaktoren der Exposition und werden in Expositionsmodellen miteinander verknüpft.

Alle Einflussgrößen der Schadstoffexposition können in unterschiedlich weiten Grenzen variieren und werden zutreffender durch Häufigkeitsverteilungen als durch bestimmte Standardwerte (Fixwerte) beschrieben. Die Verknüpfung derartiger Häufigkeits- oder Wahrscheinlichkeitsverteilungen wird bei der probabilistischen Expositionsabschätzung durchgeführt. Das Ergebnis ist eine realitätsnahe Abschätzung der Schadstoffbelastung, die zudem die wahre Schwankungsbreite und Ungewissheit am besten widerspiegelt.

Welche gesundheitlichen oder ökologischen Risiken aus einer Schadstoffbelastung (Exposition) erwachsen können, ist Gegenstand von Risikoabschätzungen. Mit fortschreitender Entwicklung der Expositions- und Risikomodelle und laufend verbesserter Datenlage sind zunehmend auch probabilistische Risikoabschätzungen möglich. Sie ermöglichen nicht nur Aussagen über absolute Risikogrößen, sondern auch über deren Schwankungsbreite und Ungewissheit.


In probabilistischen Expositionsabschätzungen können Schadstoffbelastungen in unterschiedlichen Szenarien in ihrer Variabilität und Unsicherheit verglichen werden